Berichte und Statistiken

Abschlussbericht Amtliche Pilzkontrolle 2018

Von Hitze, Stürmen und Pilzen

Auch wenn manche Medien im Herbst von wahren Steinpilzschwemmen berichtet hatten, ist es wohl nicht verwunderlich, dass das Pilzjahr 2018 im Unterland nicht an das Vorjahr herankam. Die lang anhaltende Hitze- und Trockenperiode vom Sommer bis in den Herbst hinein verhinderte über Wochen das Wachstum vieler Pilzarten – denn Pilze brauchen eben primär Wasser, damit sie ihre Fruchtkörper ausbilden können!
Dennoch ist es erstaunlich, dass die Saison nicht komplett einbrach. Als Ende August die Hitze etwas nachliess und die ersten Regen fielen, zeigten sich schon rasch die Wiesenbesiedler – allen voran der Wiesenchampignon, der darauf spezialisiert ist, in trockenen Zeiten schnell auf Regenschauer zu reagieren. Dann tauchten im Wald verschiedene grosse Röhrlinge auf und als der Regen schliesslich wirklich kam, zogen viele andere Arten nach. Die gross propagierte Steinpilzschwemme dauerte bei uns aber nur gerade zwei Wochen, danach erschienen nur noch wenige schöne Fruchtkörper auf der Pilzkontrolle, dafür aber alte, madige Exemplare, welche die geschürten Erwartungen nicht mehr zu erfüllen vermochten.

Zwei Drittel aller Kontrollen innerhalb von zweieinhalb Wochen

Die erste – ausserordentliche – Pilzkontrolle erfolgte bereits am 12. April und bestand nicht wie erwartet aus Morcheln, sondern aus 190 Gramm Sommer- oder Burgundertrüffeln. Ein wahrhaft verheissungsvoller Start ins Pilzjahr, bedenkt man, dass diese Pilze praktisch nie auf die Kontrollstelle kommen! Dabei blieb es dann aber lange, abgesehen von einigen Meldungen von Morchelfunden – und bis Ende August führten wir nur gerade 8 offizielle Kontrollen durch. Dafür bescherte uns der September ab Schonzeit innerhalb von zweieinhalb Wochen 66 Kontrollen und sorgte öfters für längere Wartezeiten, auch wenn wir manchmal zu zweit vor Ort waren. An einigen Abenden war das Pilzkontrollzimmer brechend voll. Die letzte offizielle Kontrolle erfolgte Ende November. Die milden Temperaturen sorgten aber auch noch im Dezember für das Wachsen von Herbstpilzen, bevor sich dann die ersten Winterpilze zeigten.

Insgesamt führten wir in 2018 105 offizielle Pilzkontrollen durch und kontrollierten dabei knapp 114 Kilogramm Frischpilze. Dies entspricht in etwa zwei Drittel der Zahlen vom Vorjahr, welches rekordverdächtig verlief. Gut 81 Kilogramm durften die Sammler als Speisepilze mit nach Hause nehmen und verwerten, 28 Kilogramm behielten wir als keine Speisepilze oder verdorbene Pilze zurück, knapp 5 Kilogramm sortierten wir als ernst zu nehmende Giftpilze aus. Letztgenannte übertrafen das Vorjahr erstaunlicher Weise um fast 50 Prozent.

Pilze als Überlebenskünstler – Bäume am Kämpfen

Pilze gibt es nachweislich seit mindestens 450 Millionen Jahren und man geht davon aus, dass sie damals den Pflanzen zum erfolgreichen Landgang verholfen haben. Vermutlich existieren sie aber schon mindestens doppelt so lange. Kein Wunder also, haben sie viele Überlebungsstrategien entwickelt, die ihnen helfen, klimatische Veränderungen zu meistern. So scheint es, dass ihr Geflecht auch längere Trockenzeiten zu überstehen vermag. Unsere Bäume aber stecken das weniger gut weg. Der Wald leidet unter Trockenheit und Hitze, ist anfälliger auf Parasiten und vermag den zunehmenden Stürmen immer weniger zu trotzen. Pilzarten, welche symbiotische Gesellschaften mit Bäumen eingehen, unterstützen diese in der Abwehr und Wasseraufnahme und erhalten als Gegenleistung Nahrung von ihnen. Deshalb sind intakte Ökosysteme von grosser Wichtigkeit, um die rasanten klimatischen Veränderungen zu meistern. Diese wiederum aber bedürfen grossflächige, geschlossene Wälder und naturbelassene Flächen, die sich selbst regulieren können. Davon haben wir nicht mehr genug in unserer Gegend – es besteht Handlungsbedarf!

Öffnungszeiten der Pilzkontrollstelle in Rorbas 2019

Die festen Öffnungszeiten (Mi, 17.30 – 18.30 Uhr, So, 17.00 – 18.30 Uhr) der Pilzkontrollstelle beginnen auch im Jahr 2019 am letzten Tag der Sommerferien, also am Sonntag, dem 18. August und dauern bis Ende November. Ausserhalb dieses Zeitraums und ausserhalb der festen Kontrollzeiten erfolgt die Pilzkontrolle auf telefonische Anfrage.

Während der Schonzeit, jeweils vom 1. bis zum 10. Tag jedes Monats, bleibt die Kontrollstelle geschlossen. Die maximale Sammelmenge pro Person und Tag beträgt 1 kg (ausgenommen parasitäre Pilze).
Ihre Pilzkontrolleure Jeannine Bollinger und Thomas Keller freuen sich auch ausserhalb der festen Öffnungszeiten auf Ihre Anfrage – Tel. 079 535 55 36 oder 079 745 01 75.

Abschlussberichte der Vorjahre:

Pilzkontrolle_Abschlussbericht2018
Pilzkontrolle_Abschlussbericht2017
Pilzkontrolle_Abschlussbericht2016
Pilzkontrolle_Abschlussbericht2015
Pilzkontrolle_Abschlussbericht2014

Pilzkontrolle_Abschlussbericht2013
Pilzkontrolle_Abschlussbericht2012
Pilzkontrolle_Abschlussbericht2011