Frühlingserwachen 2019

Die Frühlingsboten der Pilzwelt zeigten sich bereits in der ersten Märzhälfte. Dann wurde die Wachstumsphase durch die trockenen Tage ausgebremst und nur noch selten waren frische Pilze auffindbar. Die Niederschläge nun im April zeigen neue Bilder.

Anfangs März: Noch immer da, Samtfussrüblinge (Flammulina velutipes), unsere Winterpilze, …
… Gesellige Glöckchennabelinge (Xeromphalina campanella) zur selben Zeit …
Im Auenwald erscheinen die ersten Spitzmorcheln (Morchella elata, Syn.: M. conica) .
In der Nähe ein seltenes rotes Leuchten –
… ein Scharlachroter Kelchbecherling (Sarcoscypha coccinea) oder ist es der Gemeine Kelchbecherling (Sarcoscypha austriaca)?
Ende März im Kiefernwald erste junge
Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta) ; Giftpilz!!
Der Aprilregen bringt neue Spitzmorcheln (Morchella elata, Syn.: M. conica) …
… und gleich daneben zeigt sich der Aderige Morchelbecherling (Disciotis venosa) …
… und eine erste junge Speise- oder Rund-Morchel (Morchella esculenta) .
Für jene, die nicht in den Wald wollen; auf dem Mulch:
Spitzmorcheln (Morchella elata, Syn.: M. conica)
… oder im Gullideckel: Tintlinge (Coprinus) als originelle Destruenten (Bild BK)
Mitte April werden die Speise- oder Rund-Morcheln (Morchella esculenta) kulinarisch interessant …


… und auch ihre giftigen Gegenspieler, dir Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta), als
giftigen Gegenspieler, entwickeln sich gut!

Spätherbst- und Winterpilze

Die ausserordentlich lange Hitze- und Trockenperiode im Sommer 2018 hat das Pilzwachstum bis in den Winter hinein beeinflusst. Der milde Wintereinbruch ermöglichte vielen Herbstpilzarten, auch noch in der zweiten Dezemberhälfte Fruchtkörper auszubilden. Die kurze Kälteperiode mit Schnee vor Weihnachten gab dann den Startschuss für die Winterpilze, welche danach ideale Wachstumsbedingungen erhielten. Deshalb haben sie an verschiedenen Orten eine beachtliche Grösse erreicht, bevor der erneute Kälteeinbruch sie wieder zu bremsen vermochte.


Sammlerglück! Foto MM

Allen Besuchern unserer Homepage „Es Guets Nöis Jahr!!“

Tolle Bedingungen

Seit bald einem Monat herrschen tolle Pilzbedingungen im Unterland. Vor allem die Fichtenwälder bringen grosse Mengen von Fruchtkörpern ans Tageslicht. Die Pilz-kontrollstelle läuft zeitweise richtig heiss.
Ausserordentlich waren die zunehmenden Funde des Gemeinen Steinpilzes (Boletus edulis), auch Fichtensteinpilz genannt, der sonst bei uns nur wenig gefunden wird. Meist landet der Sommersteinpilz in unseren Körben, – wenn überhaupt – der vor allem in den Buchenwäldern vorkommt.
Aber auch viele andere Pilzarten treten zurzeit in grossen Mengen auf, manchmal allen voran der Fliegenpilz, der gerne mit dem Steinpilz unterwegs ist und wunderschöne Bilder in den Wald zaubert.
Nun zeigen sich bereits auch die wahren Herbstpilze wie Hallimasch, Nebelkappe, Violetter Rötelritterling, Schopftintling und viele mehr – und alle in grosser Zahl.
Seit rund zwei Jahren mal wieder eine richtige Pilzschwemme! Sie sind also noch da, nach den vielen trockenen Monaten und dem problematische Frost im Frühling – und sie reagieren auf die schwierigen Bedingungen auf ihre Art und Weise. Nicht umsonst bevölkern sie die Erde schon seit mindestens 450 Millionen Jahren und sorgen dabei für gute Lebensbedingungen unserer Flora und Fauna.

Frühlingserwachen

Gute Neuigkeiten für ungeduldige Pilzler:
Nachdem die Kälteperiode die Winterpilze in unserer Region früh „kaltgestellt“ hat und anschliessend nur noch wenige, eher kümmerliche Exemplare wachsen wollten, scheint die Wartezeit nun vorbei. An exponierten Stellen zeigen sich die ersten Frühlingspilze!
Die Schildförmige Scheiben-Lorchel hat sich an „unseren“ Plätzen als Erste herausgewagt. Aber auch erste Jungmorcheln, Morchel- und Anemonenbecherlinge und sogar eine Frühlingslorchel lassen sich dort blicken, wo die Sonne besonders gut hinkommt. An begünstigten Stellen stehen auch schon etliche Frühe Mürblinge und einige Weichritterlinge.

Morchel2_290317_HP                            Anemonenbecherling_310317_voll
Speise-Morchel (morchella esculenta), SP                           Anemonenbecherling (Sclerotinia tuberosa) KSP 

Frühlingslorchel_300317_voll                            Scheiben-Lorchel_310317_voll
Frühjahrs-Lorchel (Gyromitra esculenta) giftig!      Schildförmige Scheiben-Lorchel (gyromitra parma), SP

Früher Mürbling_310317_voll                            Blassgrauer Weichritterling_310317_voll
Früher Mürbling / Schmalblättriger Faserling KSP                  Blassgrauer Weichritterling SP
(Psyathyrella spadiceogrisea)                                                        (Melanoleuca excissa)

Spitzmorchel_Morchelbecherling_560
Spitz-Morchel SP und Aderiger Morchelbecherling SP
(Morchella elata et Disciotis venosa )

Wir freuen uns darüber und wünschen euch in diesem Sinne ein tolles und spannendes Pilzjahr 2017!!

Eure Pilzkontrolleure vom Embrachertal

Eindeutig zweideutig; wenn Pilze nicht ins Schema passen

„Pilzbestimmung ist anspruchsvoll! Man darf sich keinesfalls entmutigen lassen, wenn sie nicht gelingt, und manchmal ist es besser, sich einer anderen Art zuzuwenden, anstatt bis zum Umfallen dranzubleiben!“
Homepage_Boletus3Dies ist einer unserer Standardsätze, wenn Leute in einen Pilzkurs kommen. So versuchen wir, die oft hohe Erwartungshaltung etwas nach unten zu korrigieren und den „Bestimmungsfrust“ zu vermeiden.
Ein weiterer Grundsatz besteht darin, dass beim Vergleichen eines zu bestimmenden Pilzes mit guter Literatur oder einem Bestimmungsschlüssel grundsätzlich alle beschriebenen Merkmale übereinstimmen müssen, um das Resultat als gesichert zu betrachten. Da drängt sich rasch die Frage auf, was zu tun ist, wenn eben nicht alle Merkmale übereinstimmen?
Ausschnitt RöhrenbodenBoletusMut zur Lücke? Keinesfalls! Wenn dies der Fall ist, trifft die Bestimmung eben nicht zu und ein Neuversuch wird nötig – oder man wählt den Gang zum Pilzkontrolleur oder einem anderen Pilzkenner, der einem hoffentlich weiterhelfen kann.
Dies kommt immer wieder vor – manchmal auch bei vermeintlich einfachen Arten und Gattungen – weil Pilze eben Pilze sind und in ihrer Artenvielfalt mannigfaltige Erscheinungsbilder zeigen können.
Übrigens, das beschriebene Phänomen kommt auf allen Niveaus der Pilzkenner vor, auch Pilzkontrolleure stehen manchmal an; das macht diese Materie ja so spannend und anspruchsvoll.
Ausschnitt StielspitzeBoletusEin gutes Beispiel dafür ist der abgebildete Röhrling! Eindeutig? Ein mächtiger und schöner Pilz, mit orange-roten Röhrenausgängen, einem orange-roten Röhrenboden, einem Netz zumindest im oberen Stielbereich, verfärbt sich bei Verletzung blau …
Und trotzdem, eindeutig zweideutig! Wer möchte, kann im Forum seinen Tipp abgeben …